Die Ursachen der Ketose

Die Fütterung einer hochleistenden Milchkuh in der Transitphase stellt große Herausforderungen an eine leistungsgerechte Fütterung. Die Futteraufnahme geht in der Woche vor der Abkalbung um ca. 30% zurück und bleibt je nach Leistungsniveau der Milchkuh bis weit in die Laktation (6-9 Wochen) hinter den tatsächlichen Nährstoffanforderungen. Fast alle Milchkühe, unabhängig vom Leistungsniveau, durchlaufen somit in der Frühlaktation eine negative Energiebilanz (NEB). Viele Kühe bleiben viel zu lange und zu tief im Energieloch.

Energiemangel zu Beginn der Laktation führt zu akuter und latenter Ketose

Abb. 1 Energiemangel zu Beginn der Laktation führt zu akuter und latenter Ketose.

Das entstehende Energiedefizit wird durch die Mobilisierung körpereigener Energiedepots, insbesondere von Körperfett (Lipolyse), ausgeglichen. Dies ist in gewissem Umfang ein natürlicher und physiologischer Ausgleichsprozess, der bei allen laktierenden Säugetieren zu finden ist. Die Lipolyse ist in den ersten Wochen nach der Abkalbung am stärksten ausgeprägt, kann aber durchaus auch schon vor der Abkalbung eintreten und bis zu 15 Wochen und mehr in die Laktation hinein andauern. Ein zu schneller und zu intensiver Abbau von Körperfett aufgrund einer zu stark ausgeprägten negativen Energiebilanz führt zu Stoffwechselstörungen wie Fettlebersyndrom und Ketose. Dadurch wird die Leber massiv geschädigt und es kommt zu großem Leistungsabfall und hohen wirtschaftlichen Einbußen. Ein Teufelskreis aus Fettmobilisierungssyndrom und der Ketose mit schwerwiegenden Folgen beginnt:

  • Körpermasseabbau (Fettdepot, Muskelgewebe)
  • Leberschädigung, Leberfunktionsstörungen („Fettmobilisationssyndrom“)
  • akute Stoffwechselstörungen (Ketose) mit massivem Leistungsabfall (Milchmenge, Milcheiweiß)
  • Störungen der Körperabwehr (Immunschwäche), erhöhte Krankheitsanfälligkeit, Gebärmutter-, Euter-, Klauenentzündungen
  • Fruchtbarkeitsstörungen (Brunstlosigkeit, Stillbrunst, verzögerter Eisprung, Eierstockzysten)
  Appetitmangel Rohfasermangel Pansenübersäuerung
  Labmagenverlagerung  

Als indirekte Folge davon, vor allem aber durch eine negative Beeinflussung des Immunsystems der Tiere, kommt es begleitend zu weiteren Faktorenerkrankungen im Zeitraum kurz nach der Kalbung. Prominente Vertreter sind Fruchtbarkeitsstörungen wie Brunstlosigkeit, Stillbrunst, verzögerter Eisprung, Eierstockzysten, Nachgeburtsverhalten und Gebärmutterentzündungen.

Der Blutzucker spielt im Stoffwechsel eine zentrale Rolle. Die metabolische Priorität der Glukoseversorgung bei der Milchkuh liegt eindeutig auf der Milchbildung, um das Überleben des Kalbes sicherzustellen. Erst nach Sicherstellung der reproduktiven Leistung wird die verbleibende Glukose in ausreichender Menge weiteren Organen jenseits des Euters zur Verfügung gestellt. Die Intensität der Lipolyse steigt mit dem Umfang der Körperfettreserven. Deshalb besteht für verfettete Kühe ein besonders hohes Risiko für Ketose.

Die Ketose der Hochleistungskuh ist letztendlich eine krankhafte Anhäufung von Ketonkörpern infolge eines Energiemangels mit einhergehender überschießender Lipolyse und tritt vor allem zu Beginn der Laktation auf. Neben der klinisch manifesten Ketose spielt die subklinische Ketose eine wichtige Rolle, da sie bei bis zu 30 % der Kühe zu Beginn der Laktation auftreten kann und allzu oft vollkommen unbemerkt bleibt (GASTEINER, 2000). Sie führt oftmals zur Verringerung der Futteraufnahme, der Milchleistung um bis zu 4 kg/ Tag und der Fruchtbarkeit (STAUFENBIEL, 1999; GEISHAUSER, 2000).

Die indirekten Kosten einer kranken Kuh wie Minderleistung, Wartezeit, kürzere Nutzungsdauer und längere Güstzeit, machen ca. 80 % der Gesamtkosten aus, welche je nach Ausmaß der Stoffwechselstörung in schwindelerregende Höhen von 600 € - 1.000 € steigen können. Das größte „Einsparpotential“ liegt also in der Vermeidung der Krankheiten. Wichtig ist dabei, nicht nur das Einzeltier im Auge zu haben, sondern rechtzeitig auf Herdenebene zu handeln und die Entgleisung des Stoffwechsels durch eine angepasste Transitfütterung sowie durch geeignete Prophylaxe-Maßnahmen von vornherein weitestgehend zu vermeiden.

Behandlung der Ketose

Die Transitphase ist der Schlüssel. Was heißt das nun für die Praxis? Gerade wenn der BCS (Body Condition Score) vor der Kalbung zu niedrig oder zu hoch ausfällt, kommt die Negativspirale in Gang. Es ist also von übergeordneter Bedeutung, bereits im letzten Laktationsdrittel durch eine energieangepasste Fütterung einen optimalen BCS von 3,5 (Schwarzbunt) bzw. 3,75 (Fleckvieh) einzustellen. Das wichtigste ist es, im kompletten Management rund um die Transitphase stets eine maximale Futteraufnahme anzustreben.

Um ein Auftreten der subklinischen Ketose zu verhindern, werden in der Praxis prophylaktisch glukoplastische Substanzen eingesetzt. Propylenglycol und Natriumpropionat sind Substanzen, welche sowohl die Pansenfermentation, insbesondere aber den Leberstoffwechsel, positiv beeinflussen. Nach der Absorbtion im Pansen kommt es in der Leber zur Neubildung von Blutzucker und zur Insulinsekretion. Die Gehalte an freien Fettsäuren und Ketonkörpern im Blut werden effektiv vermindert. Durch gezielten Einsatz von glukoplastischen Substanzen im Zeitraum um die Abkalbung ist es nachweislich möglich, das Ketoserisiko zu reduzieren. Durch eine ausgeklügelte Kombination von mehreren glukoplastischen Substanzen in Form eines „Starttrunkes“ ist es also möglich, mittels geeigneten Dosierstationen die Futteraufnahme durch eine Insulinausschüttung zu fördern und den Leberstoffwechsel nachweislich zu entlasten. Zu beachten gilt es aber, gerade beim Einsatz konzentrierter Mengen an Propylenglykol aufgrund des eher bitteren Geschmackes vor allem bei Darreichung an Dosierstationen auf eine gut abgestimmte Kombination mit schmackhaften Komponenten wie Glycerin und Melasse zu achten, um eine gute Futteraufnahme zu gewährleisten.

Prinzip Flaschenhals

Prinzip Flaschenhals
Immer nach dem meist limitierenden Faktor (Flaschenhals) suchen. Nur so lässt sich die Fütterung/Leistung verbessern.

Checkliste: Stoffwechselerkrankungen vermeiden

Während des Trockenstehens

  • Die Kühe gehen nicht überkonditioniert in die Trockenstehphase. Der Body Condition Score (BCS) beträgt bei Holsteinkühen zum Trockenstellen 3,25 bis 3,5 und bei Fleckviehkühen höchstens 3,75 Punkte
  • Stressarme Haltung der Trockensteher. Keine Überbelegung und ausreichend Platz
  • Energiedichte von 5,4 bis 5,6 MJ NEL/kg TS und ein Eiweißgehalt von 120 bis 130 g Rohprotein/kg TS in Woche 8 bis 3 vor der Abkalbung
  • In den letzten zwei bis drei Wochen vor dem Kalben Anhebung der Energiedichte auf 6,8 MJ NEL/kg TS
  • Eiweißgehalt 140 bis 150 g/kg TS.
  • Die Trockensteherration beinhaltet ähnliche Komponenten wie die der laktierenden Kühe, um die Pansenflora nicht neu aufbauen zu müssen. Sie ist dabei verdünnt und um die Mineralstoffe Kalzium und Kalium vermindert.
  • Maximal 4 bis 5,5 g Kalzium/kg TS
  • Maximal <15 / kg TS Kalium
  • Die Wirkstoffversorgung (Magnesium, Phosphor) mit Spurenelementen und Vitaminen ist sichergestellt.

Nach der Kalbung

  • Ausreichendes Tier-/ Fressplatzverhältnis
  • Energiereiches und schmackhaftes Futter während der Anfütterung mit 6,7 MJ NEL
  • Steigerung der Kraftfuttermenge nur sukzessive bis zum Maximum in Woche 5 der Laktation
  • Bei den Frischmelkern liegt der Anteil an strukturwirksamer Rohfaser bei 120 bis 140 g/kg TS.
  • Ausreichende Versorgung mit blutzuckerbildenden Substanzen, Elektrolyten, Vitaminen sowie Spurenelementen
  • Beobachten Sie Ihre Herde
  • Führen Sie Schnelltests durch (Urin-, Blut- oder Milchtests). Messen von Ketonkörpern!
  • Falls Bestandesproblem: Untersuchen sie alle Kühe in der ersten und zweiten Laktationswoche
  • Ist der BHB-Wert (ß-Hydroxybutyrat) im Blut erhöht (1,0 bis 1,4 mmol/l) subklinische Ketose
  • Ergreifen Sie geeignete Fütterungs- und Prophylaxe Maßnahmen
  • Kühe mit subklinischer Ketose haben ein doppelt so hohes Risiko, an einer Gebärmutterentzündung zu erkranken.

KULMIN® ProLac 40

KULMIN® ProLac 40 ist ein Gemisch aus Propylenglykol, Glycerin, Natriumpropionat und Isomaltulose und kann durch diese exklusive Kombination den Glucosestoffwechsel in der Frühlaktation aktiv unterstützen indem es an verschiedenen Stellen Glucosevorläufer in den Stoffwechsel einbringt.

Das enthaltene Propylenglykol wird dabei sehr schnell aus dem Pansen absorbiert und steht damit in großem Umfang dem intermediären Stoffwechsel als glucoplastische Substanz zur Verfügung. Natriumpropionat als Derivat der Propionsäure, welche als natürliche Glucose-Vorstufe angesehen werden kann, unterstützt die Gluconeogenese additiv, indem es zusätzliche, evtl. noch nicht ausgelastete Stoffwechselpfade nutzt und unterstützt.

Durch den in der Isomaltulose enthaltenen enzymatisch modifizierten Zucker werden die Pansenbakterien sowohl mit einem Anteil einer schnell verfügbaren Energiequelle als auch mit einer langsam verfügbaren Zuckermenge versorgt. Insbesondere bei der Hochleistungskuh kann dadurch die Leberbelastung erheblich verringert werden.
Neben der Ketose Prophylaxe werden gleichzeitig Pansenbakterien mit Energie versorgt und vermehrt. So wird der Aufschluss von Grundfutter und die Verdauung verbessert.

Dosierungsempfehlung

Zur Vorbeuge gegen Stoffwechselstörungen und Erhöhung des Blutzuckerspiegels bei Kühen (Ketoseprophylaxe):
  • 150 - 200 g in der Transitphase (2-3 Wochen vor der Kalbung) als Anfütterung
  • 250 - 400 g je Tier und Tag für die Dauer von 6-8 Wochen ab der Kalbung
Zur Stoffwechselunterstützung nach akuter Ketose:
  • 400 g pro Tier und Tag ca. 4 Wochen lang füttern

KULMIN® ProLac 40